Das Stollwerck-Mausoleum in Hohenfried

Hier können Sie die Festschrift zum 75. Kirchweihjubiläum öffnen.

 

„Die Kirche soll vollständig den Bedürfnissen der evangelischen Gemeinde zur Verfügung stehen, es sollen in ihr alle Amtshandlungen) vorgenommen werden. Insonderheit soll alle 14 Tage im Anschluss an den Aiblinger Gottesdienst für die umwohnenden Evangelischen ein Gottesdienst abgehalten werden. Die Zahl derselben beträgt mindestens zwischen 40 und 50, im Sommer würde sich dieselbe durch Sommergäste erhöhen.
Ausserdem ist seit diesem Jahr in der Nähe von Feldkirchen durch die Pensionskasse der Reichsbahnarbeiter in Bayern ein Kinderheim errichtet, in welchem auch evangelische Kinder untergebracht werden.... Alsdann würde der gegenwärtige Notstand, daß die Evangelischen in Feldkirchen so weit von ihrer Pfarrkirche entfernt wohnen, noch fühlbarer werden, so dass der Kirchenneubau heute schon als eine Wohltat dankbarst begrüsst wird, umsomehr als der Gemeinde keinerlei Kosten weder aus Bau noch Unterhaltung erwachsen.
Ermöglicht wird die Abhaltung der Gottesdienste durch den Aiblinger Pfarrer dadurch, daß derselbe im Auto.... abgeholt wird. Als jährliche Remuneration sind für ihn 720 Mark ausgesetzt. Es soll dann ferner in Zukunft der Religionsunterricht für die evangelischen Kinder in der Umgebung in diesem Raum abgehalten werden, der, elektrisch heizbar, auch im Winter dazu geeignet ist.“

So berichtete der Aiblinger Pfarrer Hermann Braun dem Landeskirchenamt München 1927 über den Bau des Stollwerck-Mausoleums Hohenfried.

 

 

Die wenigen evangelischen Christen in und um Feldkirchen gehörten damals zur Kirchengemeinde Bad Aibling. Zu Beginn des Kirchenjahres 1924/25 hatte der legendäre Pfarrer Hermann Braun in Feldkirchen monatliche Andachten eingerichtet. Sie wurden in der Wohnung des Schreiners Peetz am Kellerberg abgehalten.

Dass es nicht bei diesem Provisorium blieb, verdanken wir dem Generalkonsul Karl Stollwerck, Sohn des Gründers der gleichnamigen Schokoladenwerke. Er hatte sich Anfang des Jahrhunderts entschlossen, seinen Wohnsitz von Köln an einen ruhigeren Ort zu verlegen. Seine Wahl fiel auf den Bauernhof „Giglberger“ bei Feldkirchen. Der Hof wurde ab 1919 zum Herrschaftshaus „Hohenfried“ ausgebaut.

Der Besuch einer Bibelstunde beim Schreiner Peetz brachte seine Gattin Fanny Therese Stollwerck auf die Idee, einen würdigeren Gottesdienstraum zu schaffen. Karl Stollwerck hatte ohnehin geplant, in nächster Nähe zu Hohenfried eine „Anstalt für erholungsbedürftige Großstadtkinder“ zu gründen, zu der auch eine kleine Kirche gehören sollte. Dazu kam es leider nicht, da der Ausgang des 1. Weltkrieges die wirtschaftliche Lage völlig verändert und die französische Regierung das Vermögen von Fanny Stollwerck eingezogen hatte. Von der geplanten Erholungseinrichtung blieb nur die Anstaltskirche übrig. Auch ein tragisches Ereignis in der Familie Stollwerck beeinflusste den Bau der Kirche. Die Adoptivtochter Carlita war 1911 im Alter von nur 14 Jahren an Blutkrebs gestorben. Jahre später beschlossen Fanny und Karl Stollwerck, die sterblichen Überreste ihrer Tochter nach Hohenfried zu überführen und dort in einem kostbaren Marmorsarkophag beisetzen zu lassen. 
So ist das Mausoleum Carlita Stollwercks zugleich Grabstätte und Sakralraum mit Kanzel, Altar, Taufstein und Orgel. Im Inneren finden 80 bis 100 Personen Platz. 

Am 27. September 1927 wurde das im neuklassizistischen Stil errichtete Mausoleum, vom Volksmund auch „Schokoladenkirche“ genannt, eingeweiht. Die beiden Stifter, Karl und Fanny Stollwerck, starben 1932 bzw. 1943 und fanden ihre letzte Ruhestätte in den bereits aufgestellten Marmorsarkophagen. Das Mausoleum ging in den Besitz einer Stiftung über, die vom bayerischen Kultusministerium verwaltet wird. Die Bilder der Stifterfamilie sind in der Sakristei zu sehen. Über ihre Intention gibt eine Tafel am Eingang Auskunft. Die Inschrift lautet:

Erbaut 1927 
zu Gottes und unseres Heilands Ehre in ewiger Dankbarkeit.
Karl und Fanny Therese Stollwerck

Spätestens beim 50-jährigen Jubiläum 1977 wurde deutlich, dass die Kirche zu klein geworden war. Die Gemeinde war enorm gewachsen und so stellte der Kirchenvorstand Überlegungen zum Bau eines Gemeindezentrums in Feldkirchen-Westerham an. Am 1. Advent 1983 wurde die Emmauskirche eingeweiht und schon bald Zentrum eines regen evangelischen Gemeindelebens. 

Doch das Stollwerck-Mausoleum geriet nicht in Vergessenheit. Einmal im Monat und auch zu höheren Feiertagen kommt die Gemeinde darin zusammen, um ihren Gottesdienst zu feiern. 70 Jahre lang haben Menschen hier die Botschaft des Evangeliums gehört und daraus Kraft und Ermutigung geschöpft. Kinder und Erwachsene wurden getauft, Jugendliche konfirmiert, Brautpaare stellten sich unter Gottes Segen, und Trauernde suchten und fanden Trost. Hohenfried wurde zu einer Quelle des Heils für viele.

Und so möge es noch lange bleiben –
ad maiorem gloriam dei – zur größeren Ehre Gottes!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Update am 17.5
.2012