Lebensrhythmus des Glaubens – Das Kirchenjahr

"Da wird ja doch immer nur dasselbe gemacht !" – So hört man manchmal Menschen über den Gottesdienst sagen. Aber das stimmt nicht. Gottseidank stimmt es nicht.

Jahraus, jahrein immer nur dasselbe, das wäre ja auch wirklich zu langweilig. Gerade so, als ob man uns unser ganzes Leben lang immer nur ein und dasselbe Essen vorsetzen würde. Eine schreckliche Vorstellung.

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Damit wir uns im Gottesdienst nicht langweilen und damit uns nicht Woche für Woche derselbe Sonntag "vorgesetzt" wird, gibt es eine wunderbare Erfindung: das Kirchenjahr.
  • Das Kirchenjahr sorgt für Abwechslung in der Kirche.
  • Es hält die Erinnerung an alle wichtigen Wahrheiten unseres Glaubens wach.
  • Es schützt uns vor "einseitiger Ernährung" im Glauben, die bekanntlich ungesund ist.

Man könnte es auch so ausdrücken: Das Kirchenjahr ist der "Lebensrhythmus des Glaubens".

Kleines Lexikon des Evangelischen Kirchenjahrs

Es entstand in den ersten Jahrhunderten nach Christus, als die Kirche sich nicht dem weltlichen Kalender anschloß, sondern nach und nach ihren eigenen Kalender entwickelte. Es ist also sehr alt, auch wenn sich die eigentliche Bezeichnung "Kirchenjahr" erst seit Ende des 16. Jahrhunderts nachweisen läßt.

Also, von wegen: "Immer nur dasselbe"!

Im Lauf des Kirchenjahres wechseln nicht nur die einzelnen Sonntage und Feiertage , sondern – mit ganz wenigen Ausnahmen – auch fast alle wichtigen Teile des Gottesdienstes:

  • Wochenspruch und Introitus (= Eingangspsalm),
  • Lieder und Lesungen,
  • Gebete,
  • Predigttexte (die Predigt selbst natürlich ohnehin!)

  • und nicht zuletzt die sogenannten "Liturgische Farben":
    • WEISS für die sogenannten "Christusfeste": Weihnachten und Epiphanias, Ostern, Christi Himmelfahrt und das Fest des dreieinigen Gottes ("Trinitatis")
    • ROT für die Feste der Kirche: Pfingsten und Kirchweihsonntag, Reformationsfest, Heiligentage wie "Peter und Paul" und natürlich die Konfirmation
    • VIOLETT für Zeiten der Besinnung und der Vorbereitung auf hohe Feste: Advent (= "Ankunft", Vorbereitung auf Weihnachten) und Passionszeit (= "Leidenszeit", Vorbereitung auf Ostern).
    • SCHWARZ für den Karfreitag, in manchen Gemeinden auch für den Totensonntag
    • GRÜN für alle anderen Zeiten, in denen keine besonderen Festtage im Kalender der Kirche stehen (was aber nicht heißt, daß in dieser Zeit in der Gemeinde nicht jede Menge los ist!). Vor allem die "Trinitatiszeit" (= bis zu 24 Sonntage nach Trinitatis!) nimmt hier einen breiten Raum ein.

Das Kirchenjahr beginnt Ende November oder Anfang Dezember mit dem 1. Sonntag im Advent . Es endet mit dem Ewigkeitssonntag eine Woche zuvor.
Die ersten 6 Monate nennen wir das "Halbjahr des Herrn". Hier feiern wir Feste, die uns direkt auf Jesus Christus hinweisen. Was Gott in Jesus für uns und die ganze Welt getan hat, ist das Fundament unseres Glaubens.
Die zweiten 6 Monate nennen wir das "Halbjahr der Kirche". Hier steht das Leben und der Glaube des einzelnen Christen wie auch der ganzen Gemeinde im Blickpunkt. Jesus hat seine Kirche nicht alleine gelassen, sondern ihr eine große Verheißung mit auf ihren Weg gegeben:

"Siehe, ich bin bei euch alle Tage
bis an das Ende der Welt!"
(Mt 28,20)


©2002 Kirchengemeinde Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham
Pfarrer Harald Höschler • Evang. Pfarramt Bruckmühl
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Update am 19.10.02