Reinen Tisch machen und neu beginnen dürfen: die Beichte
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Anders, als immer wieder einmal behauptet wird, hat die evangelische Kirche die Beichte niemals abgeschafft. Das konnte sie auch gar nicht, denn die Befreiung von Sünde und Schuld und der Zuspruch der Vergebung zählen zu den wichtigsten Kernstücken des christlichen Glaubens überhaupt. |
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| Was gibt Christen eigentlich das Recht anderen Menschen im Namen Gottes die Vergebung ihrer Schuld zuzusprechen? | Jesus selber hat es getan! Lies beispielsweise:
Jesus hat seinen Jüngern (und damit seiner ganzen Kirche) den Auftrag und die Vollmacht gegeben, es zu tun! Zum Beispiel in Johannes 20, Vers 23. Dort erscheint der auferstandene Herr nach Ostern seinen Jüngern und sagt: Nehmt hin den Heiligen Geist! Wem Ihr die Sünden erlaßt, dem sind sie erlassen. Wem Ihr sie nicht erlaßt, dem sind sie nicht erlassen. Eine andere Stelle ist Matthäus 16, Vers 19: (zu Simon Petrus) Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. |
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Was gehört zu einer Beichte dazu?
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| Welche Formen der Beichte kennt die evangelisch-lutherische Kirche? |
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Der Beichtgottesdienst, wie er in unserer Kirche gefeiert wird: |
Nachdem der Pfarrer / die Pfarrerin mit einem Gebet oder Psalm Gott gedankt hat, leitet ein weiteres Lied über zur Feier des Heiligen Abendmahls. Dort erfahren wir, was uns in der Beichte zugesagt worden ist: Es herrscht Frieden zwischen Gott und uns. Wir dürfen neu beginnen: mit Gott, mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst und dem eigenen Leben. |
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| Wie kann man sich auf die Beichte vorbereiten? |
Wie wir täglich in einen Spiegel schauen, um zu sehen, ob unsere äußere Erscheinung in Ordnung ist, so sollten wir nicht versäumen, wenigstens von Zeit zu Zeit einmal einen Blick auf unser Leben zu werfen und zu überlegen, ob auch da etwa im Verhältnis zu Gott oder anderen Menschen alles in Ordnung ist, bzw. wo etwas eben nicht in Ordnung sein könnte. Das gilt besonders dann, wenn wir zur Beichte gehen wollen. Auch da gibt es eine Art Spiegel, den Beichtspiegel nämlich. Er hilft uns, Klarheit zu gewinnen über uns und unser Leben. Dabei halten wir uns an die 10 Gebote. Man hat sie einmal die 10 großen Freiheiten genannt. Und das zu Recht! Denn sie wollen uns nicht schikanieren oder alles verbieten, was Spaß macht, sondern darum geht es ihnen: daß unser Leben gelingt und wir die Freiheit, die Gott uns zugedacht hat, nicht leichtfertig verspielen. |
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Ein Beispiel für eine Beichtansprache:
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Ich möchte Euch gerne an eine Geschichte aus dem NT erinnern.Sie ist so bekannt, daß man sie nicht mal vorlesen muß, weil jeder sofort Bescheid weiß. Bei Lukas steht sie, also in dem Evangelium, von dem wir im Konfirmandenunterricht beim Bibel-Monopoly gelernt haben, daß es die heißen Stories enthält. Und eine heiße Story ist es in der Tat. Ich meine das Gleichnis vom Verlorenen Sohn. Ihr wißt schon, das ist der, der sich sein Erbe auszahlen läßt und damit praktisch zu seinem Vater sagt: Du bist für mich gestorben!, der das Geld in der Fremde verjubelt und am Ende so fertig ist, daß er beschließt zurückzukehren, und der dann zur allgemeinen Überraschung von seinem Vater nicht mit Vorwürfen empfangen, sondern mit großer Freude aufgenommen wird. Es hat mittlerweile Tradition, daß im Beicht- und Abendmahlsgottesdienst der Bruckmühler Konfirmanden am Abend vor der Konfirmation an diese Geschichte erinnert wird. |
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Christus umarmt den heiligen Bernhard von Clairvaux vom Kreuz herab: sogenannter Amplexus (= Umarmung) aus einem Graduale (= Buch mit den Gesängen zu den gottesdienstlichen Lesungen) des Zisterzienserordens, um 1350. |
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Gott vergibt uns. ER nagelt uns nicht fest auf das, was war oder noch ist, was wir falsch gemacht haben oder wo wir schuldig geworden sind. ER schenkt uns einen neuen Anfang. ER läßt uns neu beginnen: mit IHM, mit unseren Mitmenschen, mit uns selbst. So glauben wir. Aber Gott vergibt nicht einfach so. In Jesus Christus hat ER selber unsere Schuld, unsere Angst, ja sogar unseren Tod auf sich genommen. Darum kann Paulus im 2. Korintherbrief schreiben: Gott versöhnte in Christus die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht an und hat unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet. (2. Kor 5,19) So ähnlich lesen wir es auch schon beim Propheten Jesaja. Über 500 Jahre vor Christi Geburt schrieb er das Lied vom leidenden Gottesknecht. Darin heißt es: ER ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf IHM, auf daß wir Frieden hätten, und durch SEINE Wunden sind wir geheilt. (Jes 53,5) Daß Gott sich mit uns versöhnt, daß ER uns vergibt und sich selbst die Strafe auferlegt, auf daß wir Frieden hätten, das ist wirklich eine gute Nachricht (= Evangelium). Auf der anderen Seite verpflichtet uns Gottes Barmherzigkeit aber auch, ebenso barmherzig mit unseren Mitmenschen umzugehen, wie Gott es mit uns tut. In der Bergpredigt sagt Jesus (Matthäus 6, Vers 14 und 15): Wenn Ihr den Menschen vergebt, |
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©2002 Kirchengemeinde Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham Pfarrer Harald Höschler Evang. Pfarramt Bruckmühl Adalbert-Stifter-Str. 2 83052 Bruckmühl Tel. (08062) 4770 Fax 805339 Update am 19.10.02 |
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