Seit rund 1.000 Jahren verwenden Christen zur Feier des Heiligen Abendmahls Hostien anstelle von festem Brot. Das Wort "Hostie" kommt aus dem Lateinischen und heißt auf deutsch "Opfer(tier)". Eine andere Bezeichnung ist "Oblate" (vom lateinischen "oblatio" = "Opfergabe").
Hostien können weiß sein oder auch leicht bräunlich je nach der Art des verwendeten Mehls. Auch in der Größe gibt es Unterschiede: Kleine Hostien werden so ausgeteilt, daß jede und jeder eine eigene erhält. Größere Hostien, wie sie ursprünglich einmal die Regel waren, werden auseinandergebrochen und dann miteinander geteilt.
In Neuendettelsau (in der Nähe von Nürnberg) wurden zum ersten Mal am 15. Mai 1858 Hostien gebacken. Pfarrer Wilhelm Löhe, der 4 Jahre zuvor die Evangelisch-Lutherische Diakonissenanstalt gegründet hatte, berichtete: "Ein Freund schenkte der Anstalt einen Apparat zum Hostienbacken. Seitdem versorgt das Diakonissenhaus nicht bloß die hiesige Pfarrkirche mit den nötigen Hostien, sondern es werden hier und da auch an besuchende Geistliche Hostien abgegeben."
Heute gehen Neuendettelsauer Hostien in alle Welt. In Deutschland werden sie natürlich vor allem von den Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern bestellt. Etwa 1,5 Millionen Hostien werden jährlich produziert. Die Arbeit verrichten überwiegend "Feierabendschwestern". Das sind Diakonissen im Ruhestand. Das Backen der Hostien gilt als besonderer Ehrendienst.
Wie werden die Hostien hergestellt?
Der Teig besteht ausschließlich aus reinem Weizenmehl und Wasser. Das erinnert an die ungesäuerten Brote, die die Israeliten in der Nacht vor ihrer Flucht aus der Sklaverei in Ägypten backen mußten (vgl. 2. Mose 12) und die Juden noch heute zum Passamahl essen nicht anders als Jesus mit seinen Jüngern an jenem denkwürdigen Abend vor bald 2.000 Jahren.
Gebacken wird in einem Eisen, in das verschiedene Symbole des christlichen Glaubens eingraviert sind. In der Regel enthält eine tellergroße Platte 28 Hostien. Nach dem Backen ruhen sie eine Nacht lang in einem Raum mit feuchter Luft. Das macht sie geschmeidig. Am nächsten Tag werden sie dann ausgestochen, getrocknet, abgezählt, zu jeweils 100 Stück eingerollt und für den Versand fertig gemacht.
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