Was macht das Heilige Abendmahl eigentlich so kostbar für uns Christen?

Die Gefäße, die wir zur Feier der Eucharistie verwenden (= "Abendmahlsgeräte"), sind in aller Regel kunstvoll aus Messing oder massivem Silber gefertigt, teilweise sogar mit echten Steinen besetzt oder auf der Innenseite vergoldet. So oder so sind sie auf jeden Fall überaus wertvoll. Wie kommen wir dazu, solch kostbare Gefäße zu verwenden? Ist das nicht unnötige Verschwendung?
Der Grund ist nicht, daß die Kirche "zuviel Geld" hat. Viele Gemeinden haben lange gespart, bis sie sich diese wertvollen Gefäße leisten konnten. Nein, der Grund ist ein anderer: Das Abendmahl selbst ist uns kostbar. Es gehört zum innersten Kern unseres Glaubens. Die teuren Gefäße sind gerade gut genug, um diesen Schatz – Christi Leib und Blut in Brot und Wein – aufzunehmen.

Aber was ist es eigentlich, was das Heilige Abendmahl so kostbar für uns Christen macht?
Hier einige Antworten:

AN GOTTES TISCH IST JEDER EINGELADEN! – Ganz gleich, wer oder was er / sie ist oder war, hat oder kann, ganz gleich auch, welcher Rasse oder Nationalität, Sprache oder Kultur! Alle sind sie willkommen: Starke und Schwache, Fröhliche und Traurige, Glaubende und Zweifelnde.

AN GOTTES TISCH WERDEN KEINE BEDINGUNGEN GESTELLT! – Weder moralische noch religiöse! Keiner ist ausgeschlossen, schon gar nicht die Schuldigen und Belasteten. Nicht der hat Platz an Gottes Tisch, der meint, makellos dazustehen, sondern der kommt und sich anvertraut, wie er ist.

AN GOTTES TISCH WIRD AUS VIELEN EINE GEMEINSCHAFT! – Das ist es, was der Begriff "heilige katholische Kirche" im Glaubensbekenntnis eigentlich meint: die große weltweite Familie der Kinder Gottes! Nicht, was wir gemeinsam haben oder glauben, stiftet diese Gemeinschaft, sondern was Gott in Christus für uns getan hat. Nicht daß wir es sein wollen, macht uns zu "Christi Leib", sondern daß ER uns über alle Unterschiede hinweg dazu beruft.

AN GOTTES TISCH IST JESUS CHRISTUS SELBST GEGENWÄRTIG! – Nirgendwo wird die Nähe Jesu konkreter, nirgendwo begegnen wir IHM unmittelbarer als hier und in seinem Wort. Jesu Gegenwart ist "heilig", das heißt: sie macht unser Leben "heil" und versöhnt uns mit Gott.

AN GOTTES TISCH SCHENKT DER AUFERSTANDENE SICH SELBST! – In Brot und Wein empfangen wir Christi Leib und Blut. Wo Christen zusammenkommen und dieses Mahl feiern, da tun sie es zu seinem Gedächtnis. Sie verkünden seinen Tod am Kreuz. Sie preisen seine Auferstehung, bis ER kommt in Herrlichkeit und wir das "große Abendmahl" mit IHM feiern.

AN GOTTES TISCH WIRD UNS GOTTES GEGENWART ZUGESAGT! – Auch im Alltag unseres Lebens ist Gott da, in der Freude und im Leid, in den schönen, aber auch in den schweren Stunden. Dafür stehen zeichenhaft das Brot (= die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit) und der Wein (= das Zeichen des Festes der Erlösten).

AN GOTTES TISCH ERFAHREN WIR VERGEBUNG UNSERER SCHULD! – Christus hat alles, was uns von Gott trennte – und das ist es, was das Wort "Sünde" eigentlich meint – am Kreuz auf sich genommen. Im heiligen Mahl reicht Gott uns die Hand zur Versöhnung. ER läßt uns neu beginnen.

AN GOTTES TISCH WERDEN WIR GETRÖSTET UND GESTÄRKT! – Christsein endet nicht an der Kirchentüre. Weil Gott uns so reich beschenkt, beginnen auch wir, mit anderen zu teilen. Weil Gott sich mit uns versöhnt, treten auch wir für Frieden und Versöhnung unter unseren Mitmenschen ein. Weil Gott uns leben läßt, ergreifen wir selbst Partei für das Leben, wo immer es bedroht ist: in seiner Freiheit, seiner Würde oder seiner Unverletzlichkeit. – Das ist oft schwer. Es kostet Mut und Kraft, "Botschafter der Versöhnung" zu sein. Im Heiligen Mahl erfahren wir Trost und Stärkung für unseren Dienst in der Welt.


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Pfarrer Harald Höschler • Evang. Pfarramt Bruckmühl
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Update am 19.10.02